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Aachen, 16. Dezember 2006

Ansprache von Oberbürgermeister Dr. Jürgen Linden aus Anlass der Verleihung des Ehrenringes der Stadt Aachen an Konsul Klaus Pavel


Sehr geehrter Herr Minister Laschet,
sehr geehrter Herr Ehrenbürger Dr. Pfeiffer,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

mit großer Freude darf ich Sie zu einem besonderen Festakt am heutigen Vormittag im Ratssaal unseres Historischen Rathauses begrüßen und Sie stellvertretend für die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt, aber auch ganz persönlich herzlich willkommen heißen.

Wir haben uns in Aachen auf diese Stunde lange gefreut. Es gilt heute einen Mann zu ehren, der in weit überdurchschnittlicher und bedeutsamer Weise den Namen unserer Stadt in die Welt getragen, das gesellschaftliche Zusammenleben in Aachen gefördert und durch sein Wirken auf verschiedenen Gebieten - trotz eines kürzlich erfolgten Eintritt in das 8. Lebensjahrzehnt - geradezu ein lebendig gewordenes Symbol für Dynamik, Vitalität und Energie ist. Ich darf mit großer Freude und besonders herzlich unter uns den Präsidenten des Aachen-Laurensberger Rennvereins, Herrn Konsul Klaus Pavel begrüßen - und mit ihm seine verehrte Gattin Gudrun mit der Familie.


Um es gleich vorwegzunehmen: Klaus Pavel ist kein gebürtiger Öcher. Seine Wurzeln liegen vielmehr in Berlin, wo er am 26. Juni 1936 zur Welt kam. Von dort kam er allerdings nicht auf direktem Weg in unsere Stadt. Es wäre ihm wohl zu einfach gewesen, die Entfernung von 623,5 km - wir wissen dies so genau, weil es auf dem Berliner Meilenstein am Europaplatz abzulesen ist - sofort zu überwinden. Statt dessen nahm er einen Umweg über Brasilien, wohin die Eltern 1950 zogen. Erst fünf Jahre später kehrte er nach Deutschland zurück. Vielleicht hat er es selbst damals noch nicht erahnen können, wie prägend die Begegnung mit dem multiethnischen und multikulturellen südamerikanischen Land für sein weiteres Leben sein sollte. Doch liegt es ja auf der Hand, dass gerade in der Reifungszeit von Pubertät und Adoleszenz vielfältige Einflüsse zur Persönlichkeitsentwicklung durch das soziokulturelle Umfeld erfolgen.

Nach Aachen kam er, weil sein Vater hier ein Unternehmen gekauft hat. Er studierte Fertigungstechnik an der RWTH und trat 1970 in das Familienunternehmen Rheinnadel GmbH ein, ein Repräsentant jener Industriesparte der Nadelproduktion, der Aachen so viel zu verdanken hat, u. a. auch den Klenkes, der ja zum "Ausklinken" fehlerhaft produzierter Nadeln gebraucht wurde.


Seit 1974 wirkte er in diesem Unternehmen als geschäftsführender Gesellschafter der gesamten Rheinnadel-Gruppe. Allerdings wurde im Oktober 2003 das Nadelgeschäft der Maschinenbaugruppe verkauft. Seither konzentriert das Unternehmen seine Aktivitäten auf den Bereich der Automation, beschäftigt sich nicht nur mit Förderbändern, sondern auch mit Schwingförderern, Linearförderern, Stufenförderern und Zentrifugalförderern und ist so ein unverzichtbarer, international ausgerichteter Strukturförderer für die Wirtschaftsregion. Zugleich zeigt Klaus Pavel als Unternehmer mit der Umwandlung eines Maschinenbaubetriebes aus der AOld Economy@ in die Hightech-Ära, dass auch in der Aachener Wirtschaft - wie überall in der Stadt - Tradition und Innovation eine wunderbare Verbindung miteinander eingehen können.

So steil seine Karriere auch in der Wirtschaft war, einen Superlativ des Fortkommens schaffte er beim Aachen-Laurensberger Rennverein. Er war gerade mal eine halbe Stunde Mitglied, als er schon zum Präsidenten dieses renommierten Traditionsvereins gewählt wurde. Eine solche Blitzkarriere dürfte einmalig sein. Die Aachener vergeben für so etwas einen besonderen Ehrentitel, nämlich den, "ein ganz Flotter" zu sein.


Das geschah alles im November 1993, und seither leitet Klaus Pavel als Präsident des traditionsreichen Turnierveranstalters die Geschicke des ALRV. Er hat in der Zeit seiner Präsidentschaft gemeinsam mit den Kollegen im Präsidium und den Haupt- und Ehrenamtlichen den jährlich durchgeführten CHIO Aachen kontinuierlich durch Investitionen, Attraktivierung der reitsportlichen Wettbewerbe, in der Organisation und der Öffentlichkeitsarbeit zum weltbesten Turnier im Bereich des Pferdesports ausgebaut.

Klaus Pavel und seiner Mannschaft gelang es, das Budget und die Zuschauerzahlen des CHIO um das Dreifache zu steigern. So hat er dafür gesorgt, dass heute das Reitturnier ein bedeutsamer Wirtschafts- und Werbefaktor der Region Aachen ist, darüber hinaus auch ein wichtiger Standortfaktor in der Welt der Sportevents.

Mit besonders beharrlichem Engagement hat Klaus Pavel mit dafür gesorgt, dass die Infrastruktur des Turniergeländes modernisiert und erweitert wird, weil er wusste, dass nicht alles im beschaulichen kleinen Maßstab bleiben kann, wenn man im internationalen Wettbewerb mit anderen Reitsportstandorten mithalten will, wenn man auch in der Konkurrenz mit anderen, oft populäreren Sportarten für Publikum und Medien interessant bleiben muss. Er hat alle Anstrengungen unternommen, dass die Rahmenbedingungen den zeitgemäßen Anforderungen moderner Sportereignisse genügen können.


Das war nicht immer einfach. Es hat vielfache Bedenken gegen diesen Wandel gegeben. Die einen befürchteten, dass durch VIP-Zelte und VIP-Tribünen die Volkstümlichkeit leiden würde, die anderen sahen voraus, dass Großsponsoren den CHIO zu ihrer Veranstaltung machen werden.
Nichts von dem ist tatsächlich eingetroffen. Unser Reitturnier ist nach wie vor einzigartig in der Welt, eigentlich etwas, das es nicht geben dürfte: das größte Turnier des Reitsports auf dem kleinsten Turniergelände. Aber gerade diese Überschaubarkeit, die Klaus Pavel auch an Aachen selbst liebt, macht das Aachener Turnier zu einem einzigartigen Forum, zu einem Treffpunkt, bei dem alle Gesellschaftsschichten einander begegnen. Das schafft die einzigartige Atmosphäre in der Aachener Soers, das gibt den Ausschlag für das begeisterungsfähige Publikum, das es so nur hier gibt. Gerade deshalb ist Aachen zum Mekka der Pferdefreunde aus aller Welt geworden, zum Wimbledon des Reitsports.

Klaus Pavel hat mit unermüdlicher Einsatzbereitschaft alles getan, dass Aachen seinen Vorsprung vor anderen Standorten als bestausgestattetes Stadiongelände beibehalten konnte. Insbesondere durch die Einrichtung eines AGarten Eden der Pferde@, der durch Spenden aus der Bürgerschaft ermöglicht wurde, konnte die hohe Attraktivität des Turniergeländes erreicht werden. Heute bietet sich das Turniergelände als vorbildhafter Landschaftsteil, als ein Kernstück für den angestrebten Sportpark Soers an.


Das, was Klaus Pavel aus dem Aachener Turnier und dem Turniergelände gemacht hat, war die beste Voraussetzung für eine erfolgereiche Bewerbung um die von der FEI alle vier Jahre ausgerichteten Weltreiterspiele 2006. Für seine Tätigkeit als Präsident des ALRV ist dies sicherlich der Höhepunkt gewesen, auch für die Stadt einer der Höhepunkte im gerade begonnenen Jahrhundert.

Ca. 500.000 Zuschauer, 800 Teilnehmer und 1.000 Pferde machten Aachen für zwei Wochen in diesem Sommer weltweit zum Mittelpunkt des Reitsports. Die World Equestrian Games 2006 waren das größte Sportereignis in der Geschichte Aachens und haben durch die Berichterstattung eine gigantische Werbung für die Stadt bewirkt. Hunderte von internationalen Journalisten trugen den Namen Aachens in die Welt, 140 Fernsehanstalten übertrugen die Wettkämpfe auf fünf Kontinente. fast alle Entscheidungen wurden deutschlandweit live übertragen. Und in enger Kooperation zwischen dem ALRV und der Stadt Aachen verwandelten 240 kulturelle Veranstaltungen die Innenstadt in einen brodelnden Kessel von heiterer Fröhlichkeit und freundschaftlicher Begegnung von Menschen unterschiedlichster Herkunft.


Mit all dem wurde Dank des Wirkens von Klaus Pavel und seiner Mannschaft die Internationalität Aachens eindrucksvoll dokumentiert, das Flair der Stadt und ihre durch das unkomplizierte Zusammenleben mit den Nachbarn in Belgien und den Neiderlanden geprägten Atmosphäre zehntausenden Besuchern und Touristen erfahrbar gemacht. Trotz des manchmal grottenschlechten Wetters ergab sich durch viele Begegnungen von Aachenern und Besuchern eine geradezu mediterrane Ungezwungenheit. Das war eine exzellente Visitenkarte für Aachen, aber auch eine Visitenkarte für Deutschland als Gastgeberland. Das Kennenlernen und einander Verstehen hat auch dazu geführt, dass durch die Weltreiterspiele hier in Aachen praktische Friedensarbeit geleistet wurde.

Klaus Pavel hat das nicht alles alleine erreichen können. Er ist ein Team-Player, einer, der sich in den Dienst einer Mannschaft, einer Gemeinschaft stellt, wenngleich er dabei in unverwechselbarer Art Führungsanspruch für sich beansprucht und Führungsqualität an den Tag legt. Sicherlich, die Ehrung, die wir heute vornehmen, gilt ihm. Aber: es war seine Idee, diese Würdigung seiner Verdienste als Dank für die Zusammenarbeit mit den vielen Anderen zu verstehen. Deshalb wird es - vielleicht auch einmalig - nicht nur die Überreichung einer Insignie an ihn geben, sondern auch die Aushändigung von Anerkennungsurkunden an viele andere - wir werden im Verlauf des Festaktes darauf zurückkommen.
Das Ich setzt das Wir voraus - diese Wahrheit ist Arbeitspraxis beim ALRV.


In einer Krönungsstadt wie Aachen darf man durchaus sagen, mit der erfolgreichen Durchführung der Weltreiterspiele sei das Wirken Klaus Pavels gekrönt worden. Doch auch nach der Krönung geht es weiter. Klaus Pavel wird auch fortan gefordert - und er bringt sich sehr gerne ein.

So hat er seit Ende der Weltreiterspiele nicht geruht, bis gerade in dieser Woche verkündet werden konnte, dass sich das Programm des jährlichen CHIO um die Disziplin der Vielseitigkeitsprüfung und des Voltigierens erweitern wird, dass der Sportpark Soers vorangetrieben und die Hatz der Kutscher gegen die Zeit in der Soers statt im Wald stattfinden wird. Schließlich wird das einzigartige Erlebnis der Flutlichtdressur im Springstadion, das Zehntausende während der Weltreiterspiele miterlebten, fester Turnierbestandteil ab 2007 sein wird.

Für die Stadt Aachen ist Klaus Pavel auch ein wichtiger Partner bei der weiteren Entwicklung in der Nachbarschaft des Reitstadions, denn im Verbund mit dem TSV Alemannia Aachen hilft er uns, dass der Neubau eines Stadions und auch neuer Trainingsanlagen möglich wird.


Weiter einbringen wird sich Klaus Pavel sicherlich auch auf kulturellem Gebiet. Schon zum 100-Jährigen des ALRV setzte er Impulse für die Aufarbeitung der Reitsportgeschichte unserer Stadt, unterstützte die Gründung der aus der World Horse Parade 2001 hervorgegangenen Stiftung AAachen Horse Academy@.

Ein besonderes Anliegen ist ihm aber künftig die Förderung des therapeutischen Reitens von behinderten Sportlern und Teilnehmen aus dem Bereich der Hippotherapie. Er wird weiterhin durch verschiedene Benefizmaßnahmen Finanzmittel sammeln, um Behinderten aus der Aachener Region die Möglichkeit therapeutischen Reitens und seiner heilsamen Wirkung zu eröffnen.

Insbesondere aber wird Klaus Pavel, der seit März 1988 das Amt den Honorarkonsuls der Föderativen Republik Brasilien in Aachen übernommen hat, als Begleiter vielfältiger sozialer Entwicklungsprojekte in den ärmsten Gegenden Brasiliens gebraucht. Hier hat er die Fundacao Pavel gegründet, die seither die Basisernährung bedürftiger Familien sicherstellt, in einem sozialen Zentrum Fortbildungskurse für jugendliche Erwachsene organisiert, den Brunnenbau zur Wasserselbstversorgung vorantreibt, Alphabetisierungskampagnen, Musikausbildung oder Imkereiunterricht gibt. Gerade mit seinem Entwicklungsengagement baut Klaus Pavel Brücken, arbeitet er als Mittler zwischen der Ersten und der Dritten Welt, zeigt sich als humanitärer Kosmopolit, der weiß, dass alle Menschen dieses Planeten in einer Welt leben.


Klaus Pavel ist ein wichtiger Aktivposten in der Aachener Gesellschaft, ein Glücksfall für die Stadt, ein Bürger im Sinne des Citoyen, der am Geschick und and der Gestaltung seiner Stadt Anteil nimmt, der sich einbringt und mit anpackt. Klaus Pavel hat auf vielen Feldern wahren Bürgersinn bewiesen. Als Präsident des ALRV hat er sich um die Stadt Aachen außerordentlich verdient gemacht. Deshalb hat der Rat der Stadt am 6. September 2006 beschlossen, ihm den Goldenen Ehrenring der Stadt zu verleihen. Der Rat würdigt damit die Bedeutung des ALRV, die Arbeit des Präsidiums, sowie der Haupt- und Ehrenamtlichen und vor allem Klaus Pavels Leistung als führungsverantwortlicher Präsident.

Lieber Klaus, es ist mir eine große Freude, Dir den Goldenen Ehrenring der Stadt als ein Symbol der Verbundenheit zwischen der Stadt und dem ALRV auch als Symbol der Verbundenheit zwischen den Vertretern der Stadt und Dir, schließlich auch als Symbol des Dankes für das Geleistete, zu überreichen.

Herzlichen Glückwunsch !